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Die Linse ersetzt den Pinsel - Mit der Kamera auf der Suche nach einer neuen Sicht auf Wilhelm Buschs Rotjacken-Prinzip
Do 05.06.2014 - So 31.08.2014


Im Rahmen der Wilhelm-Busch-Akademie wagte die Volkshochschule Schaumburg den Schritt in eine Kunstform, die Wilhelm Busch zwar schon kannte, selbst aber nie „anfasste“.„Die Linse ersetzt den Pinsel“ lautete folgerichtig der Titel eines Workshops, bei dem sich Fotografen mit ihren Kameras auf die Spuren Buschs hefteten, die er in und rund um seinen Heimatort Wiedensahl hinterlassen hat. Hier lebte und arbeitete der große Maler und Zeichner, Dichter und Denker. Hier entstanden die meisten seiner weltberühmten Bildergeschichten und auch die Mehrzahl der weit über tausend erhaltenen Gemälde. Hier fand er den Abstand zum Getriebe der großen Welt und die Ruhe, um „in den Laubgängen des intimeren Gehirns zu lustwandeln, wo’s bekanntlich schön schattig ist.“ Der historische Marktflecken hat viel vom Charme dieser Zeiten bewahrt. Hier wurde er aufgespürt und auf den Chip gebannt. In der Dorfmitte rund um Sahl und St. Nikolai Kirche, am alten Bahnhof sowie am Rande des Wiedensahler Genossenschaftswaldes im Dunstkreis des Schweinehirtenhauses galt es – angeleitet vom Fotoprofi Roger Grabowski - „das Rotjaken-Prinzip“, eine der auffälligsten Besonderheiten im malerischen Werk Wilhelm Buschs, mit den vielfältigen Möglichkeiten hochtechnisierter Digitalkameras umzusetzen. Buschs Zimmervermieter im Antwerpener Studienjahr, Jan und Mie, hatten ihn in seiner ersten großen Schaffens- und Lebenskrise 1853 gesund gepflegt und „schenkten mir beim Abschied in kühler Jahreszeit eine warme rote Jacke nebst drei Orangen“.


Dieser Satz lädt mit Blick vor allem auf viele späte Buch-Gemälde mit deutlichen Spuren des heraufziehenden Expressionismus immer wieder ein zur Legendenbildung: Sind die so zahlreich in seinem malerischen Werk auftauchenden Rotjacken die Aufarbeitung des eigentlich nur von ihm selbst so gefühlten Scheiterns in Flamen? Auf rund 280 Ölbildern Wilhelm Buschs tauchen die roten Jacken auf. Beim frühen Busch naturalistischer. In rund 70 weiteren Gemälden windet sich Landschaft um andere roten Flecken wie Kühe oder Hausdächer. Die VHS-Lichtbildner haben sie (wieder) gefunden, (neu) entdeckt, arrangiert, inszeniert, digital implantiert sogar. So sind aktuelle Bilder nach dem „Rotjacken-Prinzip“ entstanden. Hier zeigen ambitionierte „Knipser“ auf modernen Fotografien, wie rote Punkte, und sind sie noch so klein oder weit an den Rand geschoben, die Blicke auf sich ziehen. Wie bei den Busch-Vorlagen auch, soll man hier aber nicht nur von dieser Farbe, die für Feuer, Krieg und Liebe gleichermaßen steht, vereinnahmen lassen. Die Gesamtkompositionen bieten deutlich mehr. Es gibt viel zu entdecken – auf den Bildern, in und um Wiedensahl und sowieso.... Friedhelm Sölter


Die Teilnehmer: Frank Dielitzsch, Niklas Dielitzsch, Andreas Wilkening, Dr. Wolfgang Westphal, Friedhelm Sölter (hintere Reihe, von links), Bernhand Loewa, Angela Wilkening, Radka Schöne, Florian Redecker

Wir danken den Schaumburger Nachrichten für die Unterstützung bei der Realisierung dieser Ausstellung.


Datum:
05.06.2014 bis 31.08.2014

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