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Von Bosheit keine Spur - Kinderbildnisse von Wilhelm Busch - 2. Teil
Fr 18.09.2009 - So 11.04.2010

Ach, was muß man oft von bösen Kinder hören oder lesen!!

Nicht nur in diesen Tagen und Wochen hier im Haus begleiten uns diese Zeilen quasi rund um die Uhr. Der Einstieg in die Bildergeschichte „Max und Moritz“, die Wilhelm Buschs Weltruhm begründete, ist jedem geläufig, der sich nur ein ganz kein wenig auf den Maler und Zeichner, Dichter und Denker eingelassen hat.

Aber eben nur auf den Bildergeschichten-Erzähler Busch. Hier gibt es nun aus dem umfangreichen zeichnerischen und malerischen Oeuvre des Künstlers eine der anderen Seiten zu bewundern. Diese Kinder sind ganz anders. Sie quälen keine Tiere und ärgern keine Erwachsenen. Sie ruhen quasi trotz ihrer Jugend in sich, vermitteln das Bild stillsitzender und braver Mädchen und Jungen.

Wilhelm Busch gelingt es auch hier, mit sensiblen Strichen, vorsichtigen Farbkompositionen mehr zu zeigen, als oberflächliche Köpfe und Körper. Mit den Bildern taucht der Betrachter ein in die Befindlichkeit der Kinder, lässt sich gefangen nehmen von der Melancholie der Szene. Auch wenn Bewegung dargestellt wird, findet man nicht einmal Annäherung an die hektisch-aggressiven Charaktere der Bildergeschichten. So liebevoll, wie er diese kleinen Individuen gestaltet hat, dürfte er sich um Johanna Kesslers Kinder und die drei jungen Neffen im Wiedensahler Pfarr- und Pfarrwitwenhaus gekümmert haben.

Mit Schwester „Anna Busch mit Kopftuch“ (1853/54) kehrt ein Bild nach Wiedensahl zurück, wo es vor mehr als 150 Jahren von Busch mit Bleistift aufs Papier gebracht worden ist. Es gehört zugleich zu dem frühesten Busch-Werk dieser Schau, wie die „Kopfstudie eines Knaben“ und die lesende Kusine „Mathilde Kleine Lüthorst“. Sie fallen in die Zeit nach seiner Rückkehr aus Antwerpen, wo sich der Wiedensahler vor den großen flämischen Meistern duckte, schwer an Typhus erkrankte und frustriert in die Heimat flüchtete.

Um 1857 ist das „Studienblatt mit sitzendem und liegendem Knaben“ datiert, aus einer Zeit also, als der genesene Busch daran dachte, als Bienenzüchter in Brasilien sein Glück zu suchen. Anders als der Künstler war dieses Blatt dann tatsächlich zwischenzeitlich in Südamerika im Besitz eines Busch-Kenners in Santiago de Chile. Quasi den Übergang zur Malerei bildet das „Sitzende Mädchen mit Hund“, ein mit Pinsel und Sepia gestaltetes Kleinformat. Es ist möglicherweise ebenfalls in Wiedensahl entstanden.

In Korrespondenz dazu stehen sechs Ölbilder. Genaue zeitliche Zuordnungen sind nicht vorhanden. Doch die „Studie: Bildnis des kranken Bruders Hermann“, das „Bildnis eines Jünglings“ und „Sitzendes Mädchen nach links“, geben konkrete Hinweise auf die Fünfziger Jahre. Bis zu zwanzig Jahre später entstanden sein dürften das „Knabenbildnis“ und der „Handwerkslehrling“.

„Die Züchtigung“ fällt als Motiv aus dem Rahmen des Umfeldes. Doch die „Bosheit“ geht nicht vom Kind, sondern von einer offensichtlich älteren Frau aus. Der weinende Knabe wirkt eher verängstigt als böse, er scheint Opfer zu sein.

Friedhelm Sölter

Datum:
18.09.2009 bis 11.04.2010

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