Hier können Sie den Flyer ausdrucken.

Die Flüchtigkeit des Augenblicks II – Das Wiedensahler Skizzenbuch
Di 15.04.2014 - So 19.10.2014

Ausstellungseröffnung: Di. 15. April, 17 Uhr

2008 zeigte unser Haus erstmals ca. 20 Original-Blätter aus Buschs Skizzenbuch.1855/57 legte er dieses Buch an, das vor allem Studien aus Wiedensahl und der Hamelner Umgebung enthält. Unterschiedliche Bleistiftstärken und Linienführungen charakterisieren die Motive: hohe Spitzbogenfenster, schiefwüchsige Bäume, Eselköpfe, die mit schlingerndem Strich schnell angelegte Darstellung junger Handwerker oder handschriftliche Notizen. Ursprünglich in Privatbesitz, ist das Skizzenbuch Eigentum der Kulturstiftung Schaumburg.

Wilhelm Buschs Bildergeschichten haben den Weltruhm gebracht. Die Ölbilder vor allem der späten Phase finden immer mehr Anerkennung. Und dann gibt es da noch die Zeichnungen nach der Natur. Sind sie nun ein eigenständiges Oeuvre im Gesamtwerk des Wiedensahlers oder doch immer nur Skizzen, Versuche, Detailübungen für die anderen, beim Betrachter dominierenden Objekte?

Spätestens seit der Niedersächsischen Landesausstellung zum 150.Geburtstag Buschs im Jahre 1982 mit der Dreiteilung der Werkschau dürfte klar sein, dass es sich bei diesem Genre um bemerkenswerte Zeugnisse seiner künstlerischen Hinterlassenschaft handelt.

Doch gerade der Blick in das „Wiedensahler Skizzenbuch“ macht deutlich, dass die Grenzen für Busch selbst immer fließend gewesen sein dürften, zumal die meisten dieser bisweilen abgebrochen wirkenden Versuche, manchmal eiligst hingeworfenen oder gar krackelig schraffierten Darstellungen zwischen 1855 und 1857 entstanden sind. Zu Zeiten also, als Busch gerade die ersten Kontakte zur Münchner Szene knüpfte, die ja maßgeblich gewesen sein dürfte für den Bildergeschichtenerzähler.

Nach der Natur bedeutet ja auch in der Natur. Sie war von Kindesbeinen an bis zu seinem Tode Grundlage aller künstlerischen Versuche und Erfolge. In fast jeder Korrespondenz kommt er auf das zu sprechen, was sich um ihn herum in der Natur gerade ereignet. Egal ob es stürmt, die Vögel piepen oder die Erbsen etwas kümmerlich geraten sind.

„Schon in den Skizzenbüchern und -blättern setzt vor der Natur gleichsam ein Vereinfachungsprozeß ein. So ist für mich W. Busch in höchstem Maß Ausdruckskünstler - der sich selbst bestimmt und ausleben konnte“ schrieb in den Dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhundert der österreichische Schriftsteller und Illustrator Alfred Kubin an den Busch-Biografen Robert Dangers.

Und: „Beim Abschreiten der künstlerischen Entwicklung auf dem Terrain der Zeichnungen nach der Natur (sei) immer in Erinnerung gerufen, daß es sich hier und dort um Werke ein und des desselben Künstlers handelt, deren Reiz gerade in ihrer Vieldeutigkeit und ihrem Beziehungsreichtum liegt – Qualitäten, die von Busch mit Sicherheit auch immer ganz bewußt als Mittel künstlerischer Steigerung eingesetzt worden sind“. So der damalige Direktor des Wilhelm Busch Museums Hannover, Herwig Guratzsch, im Katalog zur Landesausstellung.

Dem ist nur noch hinzu zu fügen, dass Wilhelm Busch im hier „zerlegten“ Wiedensahler Skizzenbuch neben Naturabbildungen, Tier- und Menschenskizzen auch architektonische Kleinode und Besonderheiten in und um Wiedensahl sowie im südlich angrenzenden Weserbergland bis Hameln auf den 99 mal 170 Millimeter großen Seiten auf dünnem, satiniertem, ungeripptem Papier festgehalten hat.

Friedhelm Sölter

Datum:
15.04.2014 bis 19.10.2014
Eintritt:
freier Eintritt

>Wilhelm Busch Geburtshaus > Ausstellungen > Ausstellungs-Archiv