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„Der Herbst, der reiche, zog ins Land“ - Wilhelm Buschs jahreszeitlicher Blick auf seine Heimat
So 26.10.2014 - So 12.04.2015

An den Grundlagen des Seins

Der schöne Sommer ging von hinnen,
Der Herbst, der reiche, zog ins Land.
Nun weben all die guten Spinnen
So manches feine Festgewand.

So beginnt beim Lyriker Wilhelm Busch in dem Gedicht „Im Herbst“ aus der 1904 noch von ihm selbst veröffentlichten Sammlung „Zu guter Letzt“ der Blick auf die Zeit, die eigentlich immer nur Übergang ist. Den Winter vom Sommer trennt. Und doch in weiten Teilen der Natur immer auch Erntezeit ist. Was im Frühjahr gesät, in die Erde gesteckt wurde, trägt im Herbst Früchte. Mal mehr, mal saftigere. Das sind die Grundlagen des Seins. Damals und heute.

Eine der Grundlagen für Wilhelm Buschs auf so vielen Feldern so breit aufgestelltes Gesamtwerk war die (fast) lebenslange Bindung an seine Heimat. Hier, bei seinen Spaziergängen durch die Feldmark, bei seinen Wanderungen ins benachbarte Westfälische fand er die Motive. Für zarte, anrührende Gedichte. Aber auch für düstere Landschaftsmalerei oder feingliedrige Zeichnungen nach der Natur.

Die hängen hier neben einander, korrespondieren bisweilen, konterkarieren im nächsten Augenblick und vereinen sich immer wieder zu einem Blick auf die Natur, den nur der heraus zu kristallisieren versteht, der die rasche Folge von Sonne und Wolken, Blitz und Donner, Sturm und Flaute verinnerlicht, akzeptiert hat.

Wilhelm Buschs grafisches Werk fand seinen Höhepunkt in zahlreichen für ihn großen Bleistiftzeichnungen, die fast ausschließlich in und um Wiedensahl entstanden sind. Doch die Elemente der Natur, Bäume, Büsche, Gras werden immer formelhafter, sind bisweilen nur angedeutet. Selbst auf kleinsten Formaten entfalten sie eine spannungsreiche Reduzierung.

Ähnliches ist mit den Jahren in der Malerei des nach eigener Sicht Gescheiterten immer deutlicher zu erkennen. Der Strich wird immer wichtiger, das Motiv tritt (meistens) zurück. Die Stimmung rückt stärker ins Zentrum. Expressionistische Abstraktion bricht sich Bahn. Und macht Wilhelm Busch zu einem Avantgardisten, der er nie sein wollte.

Dazu die wenig überraschende Erkenntnis, dass man kaum zwei Handvoll Busch-Bilder auswählen kann, ohne den „Rotjacken“ zu begegnen. Vermaledeites Trauma oder doch geniales Markenzeichen? Schön, dass Rätsel bleiben.

Und mittendrin dann Bilder wie die „Heimkehr vom Felde“. Bauer und Bäuerin in inniger Nähe. Geknechtet von der Arbeitsfron zwar, aber doch deutlich spürbar einander zugetan -- wie im Gedichtschluss:

Und leis verknüpft ein zartes Bändchen
Den Schäfer mit der Schäferin.

Friedhelm Sölter

Datum:
26.10.2014 bis 12.04.2015
Uhrzeit:
11:00 Uhr

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